Wie man eine Wette über eine Milliarde verliert

Wie man eine Wette über eine Milliarde verliert

Wer viel hat, kann auch viel verlieren. Wenn es jedoch um Wetteinsätze von einer Milliarde Yuan geht, immerhin stolze 133 Millionen Euro, so dürfte das vermutlich trotzdem nur ein kleiner Teil des eigenen Vermögens sein oder bedeutet es doch den finanziellen Ruin?

Zumindest in diesem Fall dürfte der Verlierer nochmal mit dem Schrecken davonkommen. Der Chef des chinesischen Smartphone-Herstellers Xiaomi, Lei Jun, wettete gegen die Chefin von Gree Electric Appliances, welche Klimaanlagen produziert. Beide Firmen sind in Deutschland weniger bekannt, wobei Xiaomi als Smartphone-Hersteller in den letzten Jahren allerdings an Popularität zugelegt haben dürfte.

Bei einer Fernsehsendung im Jahr 2013 trafen die beiden Chefs aufeinander. Lei Jun schlug dabei vor, eine Wette abzuschließen. Er setzte darauf, das Xiaomi innerhalb von 5 Jahren einen größeren Umsatz erzielen würde als Gree Electric Appliances. Eine wahre Herausforderung, denn schließlich nahm die Firma zu dem Zeitpunkt nur einen Bruchteil von den Umsätzen von Gree ein.

Ursprünglich wollte Lei Jun lediglich um einen symbolischen Yuan wetten, also weniger als 14 Cent. Doch Dong Mingzhu, die Chefin des Klimaanlagen-Herstellers wollte es genau wissen. Sie überzeugte Lei Jun um sagenhafte eine Milliarde Yuan zu wetten. Da die ganze Nation Zeuge wurde, willigte er natürlich ein.

Wer ist umsatzstärker: Xiaomi oder Gree Electric?

Xiaomi hat in den vergangenen Jahren einen beeindruckenden Aufstieg hingelegt. Bereits 2013, im Jahr der TV-Sendung und des Wetteinsatzes, hat das Unternehmen seinen Umsatz vom Vorjahr bereits verdoppelt. Es wurden 18,7 Millionen Smartphones verkauft, wodurch ein Umsatz in Höhe von 27 Milliarden Yuan erzielt wurde.

Selbst Apple, Samsung oder Huawei können mit dem rasanten Wachstum von Xiaomi nicht mithalten. 2016 wurden bereits 53 Millionen Smartphones verkauft, im Jahr darauf sogar ganze 92 Millionen. Das Unternehmen war in der Lage, seine vierteljährlichen Verkäufe zu verdoppeln. Zwar liegen die Verkaufszahlen noch immer hinter Samsung, welches als größter Smartphone-Hersteller 2017 etwa 317 Millionen Geräte verkaufte. Allerdings erlangt Xiaomi auch außerhalb des chinesischen Marktes mehr und mehr Bedeutung.

Gree Electric Appliances auf der anderen Seite ist länger etabliert und war 2013 deutlich umsatzstärker. Es erzielte 118 Milliarden Yuan Umsatz und steigerte diesen im Jahr darauf auf 137 Milliarden Yuan. Das Unternehmen, welches sich seit der Gründung 1991 auf kommerzielle und private Klimaanlagen spezialisiert, zeigt zwar ein langsameres Wachstum als Xiaomi, hatte allerdings einen enormen Vorsprung.

Zu hoch gepokert?

Lei Jun hatte für Xiaomi große Pläne und konnte diese auch weitgehend in die Tat umsetzen. Als die 5-Jahres-Frist der Wette Anfang des Jahres schließlich rum war, wurden die Umsätze erneut verglichen.

Xiaomi erzielte 2018 einen Umsatz von 174.9 Milliarden Yuan – ein riesiger Sprung im Vergleich zu 2013. Allerdings überbot Gree Electric diesen Wert um knapp 20 Milliarden Yuan, denn das Unternehmen nahm 198 Milliarden Yuan (26,3 Milliarden Euro) ein. Ein klarer Sieg für Gree Electric!

Aber ist es ein großer Verlust für Lei Jun oder Xiaomi? Wohl kaum! Wer seinen Umsatz innerhalb von 5 Jahren um das 6-fache steigern kann, ist trotzdem ein Sieger. Immerhin macht der Einsatz von 1 Milliarde Yuan lediglich 0,57 % des Gesamtumsatzes aus und fällt vielleicht gar nicht weiter auf.

Wird der Einsatz eingelöst?

Bisher ist nicht bekannt, ob die Gree-Chefin Dong Mingzhu ihren Gewinn tatsächlich von Lei Jun eingefordert hat oder es tun wird. Sicherlich war die Wette im Großen und Ganzen ein toller Spaß unter zwei ambitionierten Geschäftsleuten, aber wie ernst sie es meinten wissen wahrscheinlich nur beide selbst am besten.

Auch wenn Lei Jun nun eine Milliarde Yuan bzw. 133 Millionen Euro Schulden bei Dong Mingzhu hat – sein Ehrgeiz hat sich gelohnt und seiner Firma Höhenflüge und bestimmt auch ein gutes Stück Aufmerksamkeit beschert.

Steigen die Umsätze weiterhin so stark, steht vielleicht bald eine Wette mit den Geschäftsführern von Huawei, Apple oder gar Samsung an. Spannend wäre es auf jeden Fall, doch ob sich die Unternehmen darauf einlassen würden ist eine andere Frage.

Lei Jun verfügt laut Forbes übrigens über ein Privatvermögen von etwa 9.19 Milliarden Euro. Seine Wettschulden von 133 Millionen Euro könnte er damit ohne Probleme begleichen.

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